Kleine Vita von Mariam Baouardy, die hl. Mirjam von Abellin. 2/3

Mirjam war Laienschwester, weil sie weder lesen noch schreiben konnte und in Abellin oder Alexandria keine Schule besuchte. Am 20. Juli 1869 feierte die Klostergemeinschaft das Fest des Hl. Elias, der eigentliche Patron des Karmeliterordens. Die kleine Araberin verehrte den großen Propheten sehr und nannte sich gerne dessen „kleine Landsmännin“, denn Mar Elia wurde schon in ihrem Heimatdorf Ibellin umfangreich gefeiert. Als die Mitschwestern eine Statue des Propheten an seinem Festtag in das Refektorium brachten, klatsche Sr. Mirjam in die Hände und rief: „Vater Elias, Vater Elias“ und fiel in Ekstase. Die Oberin verlangte nach einiger Zeit wieder Gehorsam und befehligte ihr in den Speisesaal zurückzukehren, was sie auch tat. Der Vorfall war für sie allerdings sehr peinlich.

Sr. Mirjam wurde bald darauf eingekleidet und begann ihr Noviziat. Sie sollte „Chorschwester“ werden, man gab ihr ein Brevier und sie lernte das Lesen. Ihre Mitschwestern beabsichtigten damit, dass Mirjam durch das Rezitieren des Offiziums zur Verherrlichung Gottes mehr beitragen könnte. Die Mutter Priorin brachte ihr das Lesen bei und zeigte dabei sehr viel Geduld. Sr. Mirjam wäre allerdings lieber „Laienschwester“ geblieben, was ihr schließlich vier Jahre später bei ihrem Aufenthalt in Indien gewährt wurde.

Es war der Karmeliter-Bischof Marie-Ephrem, der ein Karmeliterinnenkloster in Indien gründen wollte und deshalb in Pau um Mithilfe anfragte. Die Priorin stellt sich und weitere Schwestern für eine Gründung in Mangalore zur Verfügung. Auch die kleine Araberin war dabei, als am 21. August 1870 sechs Karmelitinnen von Pau und drei Mitglieder des Drittenordens der Karmeliten in Marseille den Dampfer „Gueyenne“ bestiegen. Auf der Überfahrt wurden fünf Schwestern schwer krank. Sr. Mirjam schwollen Hände und Füße an, drei Schwestern starben auf der Reise und bei der Ankunft in Kalikut in Indien am 19. November 1870 starb auch die Mutter Priorin an den Folgen der Seekrankheit in den Armen der kleinen Araberin.

Bischof Marie-Ephrem erbat daraufhin Verstärkung von den Karmeliterinnenklöstern Pau und Bayonne, die drei weitere Schwestern entsandten, so dass das Kloster in Mangalore gegründet werden konnte. In diesem Konvent legte Sr. Mirjam am 21. November 1871 ihre Profess ab. Doch sie hatte es dort sehr schwer, grobe Angriffe ihrer Mitschwestern musste sie ertragen. Man verkannte sie, warf ihr vor an Wahnvorstellungen zu leiden. Sie wurde vom Herrn gelehrt, dass vor ihm charismatische Gaben keine Bedeutung haben, wenn sie keine Gottes- und Nächstenliebe hervorbringen. So war Mirjam froh, dass sie mit ihren Wundmalen die Oberin und einige Mitschwestern pflegen durfte, als diese an einer Epidemie erkrankten. Ihr Beichtvater befürwortete zudem, dass sie wieder Laienschwester werden durfte. Vom Chordienst befreit, konnte sie sich wieder der Arbeit widmen, Briefe aus jener Zeit bestätigten ihren großen Arbeitseifer.

Bald reifte bei den Oberen die Überzeugung, dass Mirjam wieder nach Frankreich zurückkehren sollte. Am 23. September 1872 trat sie deshalb mit zwei Mitschwestern ihre Reise nach Frankreich an und kam am 5. November 1872 in Pau an. Dort wurde sie liebevoll aufgenommen, innerer Friede und eine geistige Ruhe kehrte ein. Allerdings plante Gott für Mirjam noch mehr, denn sie sollte in ihre Heimat nach Betlehem zurückkehren. Dort wurde sie zur Gründerin zweier Karmeliterinnenklöster in Betlehem und Nazareth.

Es ist nicht bekannt, wann bei Mirjam der Plan zur Gründung eines neuen Karmel in Betlehem aufkam. Die kleine Araberin sprach 1872 erstmals in Pau mit ihrer Priorin und dem Karmeliterpater P. Saint-Guily darüber. Skepsis schlug ihr entgegen und sie kam mit Berta Dartigaux in Kontakt, die einzige Tochter des Gerichtspräsidenten von Pau. Mirjam erzählte ihr von ihrem Vorhaben und die fromme Frau sicherte die finanziellen Mittel für eine Neugründung zu. Zuvor fragte sie ihren Beichtvater P. Petrus Estrate, ein Herz-Jesu-Priester, um Erlaubnis, der jedoch einverstanden war. Msgr. Lacroix, der Bischof von Bayonne, hörte von dem Plan und war begeistert. Er schrieb sogleich einen Brief an den Päpstlichen Rat für die Missionen in Rom. Ablehnung kam vom Patriarch von Jerusalem, Msgr. Bracco, weil ein solches Karmeliterinnenkloster eine Belastung für die Diözese würde. So wurde in Rom eine Absage vorbereitet, bis jedoch wie eine Fügung des Himmels Papst Pius IX. eingriff und das Dekret zur Gründung eines Karmels in Betlehem unterschrieb.

Am 20. August 1875 konnten so sieben Chorfrauen, eine Chornovizin und zwei Laienschwestern, darunter war Sr. Mirjam, den Karmel von Pau Richtung Betlehem verlassen. Auch die Stifterin Berta Dartigaux und zwei Priester, der Domherr Bordachar und P. Estrate, schlossen sich der Reisegesellschaft an. Sie fuhren zunächst zur Gottesmutter nach Lourdes und über Montpellier nach Marseille. Von dort verließ das Schiff „Ilissos“ den Hafen Richtung Alexandrien, wo man am 3. September eintraf, um dann am 6. September in Jaffa anzulanden.

Der französische Konsul begrüßte die Reisegesellschaft und ebenso die Kustodie der Franziskaner im Hl. Land. Die Brüder beherbergten die Gruppe in Ramleh, dem biblischen Arimatäa, in ihrem Hospiz Nahe Jaffa. Am Tag darauf begann die Reise hinauf nach Jerusalem, welche sehr beschwerlich war. Dort traf man am 7. September 1875 ein, zog durch das Jaffa-Tor, begleitet von den Kawassen, den arabisch-türkischen Ehrenwächtern. Sie brachten die Gruppe aus Frankreich in das „Casa Nova“, dem Pilgerhospiz der Franziskaner. Der nächste Tag galt ganz den Besuchen der christlichen Pilgerstätten in Jerusalem und der Patriarch von Jerusalem, Msgr. Bracca, empfing sie mit großer Herzlichkeit. Das eigentliche Ziel der Reise, Betlehem, wurde am 11. September erreicht.

Dort galt der erste Besuch der Geburtskirche und Geburtsgrotte des Herrn. Die Reisegesellschaft wohnte auch hier in einem franziskanischen Hospiz. Von dessen Terrasse konnte man den verlassenen Hügel im Westen der Stadt sehen, auf dem der neue Karmel entstehen sollte. Der Hügel hatte mehrere Eigentümer, was den Ankauf des Geländes erschwerte, zumal einige Besitzer große Summen verlangten. Doch nach zähen Verhandlungen konnte das Grundstück erworben werden, der Kaufvertrag wurde am 23. September unterzeichnet.

Sr. Mirjam wollte den neuen Karmel unbedingt auf diesen Davidshügel erbauen. Bei ihrer Ankunft in Betlehem sah sie von dort einen Schwarm von Tauben auffliegen, was sie als Zeichen Gottes interpretierte. In ihrer Vision war es der Ort, wo David geboren wurde und seine Herden hütete, bevor er vom Propheten Samuel zum König gesalbt wurde (1Sam 16:1-13). Als Symbol der Abgeschiedenheit sollte der Bau einem Turm gleichen, im Erdgeschoß mit den Aufenthaltsräumen und darüber den Zellen für die Schwestern. Die Zisterne wurde inmitten des Kreuzgangs gegraben, Kirche, Sprechzimmer und Pforte lagen außerhalb des Turms. Sr. Mirjam erhielt von Jesus den Auftrag den Karmel im Schatten seiner Geburtsgrotte als Ort der christlichen Armut zu verstehen. Ihr wurde die Bauaufsicht übertragen, weil sie als einzige arabisch sprach. Sie kontrollierte die Lieferanten, motivierte Steinmetze und Maurer, stiftete Frieden, tadelte Missbräuche, alles aus Liebe zu Gott. Durch ihre kindliche und einfache Art gewann sie bald Freunde.

Als Sr. Mirjam in Betlehem eintraf erhielt sie jedoch vom Herrn eine weitere Offenbarung: Sie soll einen zweiten Karmel im Hl. Land bei Nazareth gründen. In ihrer kindlichen Art teilte sie dieses Vorhaben dem Patriarchen mit und gab ihm damit die Möglichkeit seinen anfänglichen Widerstand wieder gut zu machen. Msgr. Bracco nahm diese Beweisführung sanft lächelnd hin und erwirkte sofort vom Hl. Stuhl in Rom die Erlaubnis zum Ankauf eines Grundstücks in Nazareth. Diese wurde im April 1878 auch erteilt.

Sr. Mirjam reiste von Betlehem aus mit der Novizenmeisterin und einer weiteren Schwester am 7. Mai nach Nazareth ab. Da die Reise durch Samaria aufgrund von Wegelagerern gefährlich war, zog man es vor von Jaffa aus ein Schiff nach Haifa zu nehmen. Dort bestieg man den Berg Karmel mit dem Mutterheiligtum der Karmeliten und zog dann weiter nach Abellin, in die Heimat von Sr. Mirjam. In Nazareth besichtigte man das Grundstück, welches Frau Dartigaux im Westen der Stadt bereits erworben hatte. Es lag über der Stadt mit Blick auf dem Berg Tabor, Naim und die Jesreelebene mit dem abschließenden Karmelgebirge am Meer. In Nazareth wohnte man bei den „Schwestern von Nazareth“, die Sr. Mirjam große Achtung schenkten, weil sie stundenlang im Gebet in der Verkündigungsgrotte verweilte und durch ihre Schlichtheit und Demut gefiel. Bei ihrer Rückreise nach Betlehem besuchte die kleine Gruppe den Berg Tabor. Während der gesamten Reise trug Sr. Mirjam den schwarzen Schleier der Chorfrauen, um nicht aufzufallen, in Betlehem legte sie wieder den weißen Schleier der Laienschwestern an. Die Vollendung des Karmel in Nazareth 1910 erlebte sie vom Himmel aus.

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