Kleine Vita von Mariam Baouardy, die hl. Mirjam von Abellin. 1/3

Die palästinensische Heilige, „die kleine Araberin“, wie sie oft liebevoll genannt wird, wurde in Galiläa geboren, in der Ortschaft Abellin (Iblin/Cheffa-Amar). Das Dorf liegt auf derselben Hügelkette wie Nazareth (25 km entfernt). Von Abellin aus kann man auf das Karmelgebiet und bis zum Mittelmeer blicken. Am 26. August ist ihr Heiligenfest, weshalb ich bis dahin eine kleine Vita von ihr in drei Teile veröffentliche.

Die Familie Baouardy stammte aus dem Libanon. Mirjam’s Vater Georg wuchs bereits in Horfesch bei Akko, also in Galiläa auf. Er heiratete seine Frau Mirjam und beide waren arabische Christen, die dem melkitischen Ritus (griechisch-katholisch und mit Rom uniert) angehörten. Georg war Handwerker und Pulvermüller, seine Frau Mirjam eine vorbildliche Gattin und Mutter, beider Frömmigkeit war schlicht und tief. Zwölf Knaben hatte Mirjam bereits das Leben geschenkt, aber alle starben unmittelbar nach der Geburt. Ihre Sehnsucht nach einem Kind ließ das Ehepaar nach Betlehem pilgern, um vor der Krippe des Herrn um ein Kind zu bitten. Dafür wollten sie es als Dankbarkeit Maria weihen und ihm ihren Namen geben. Die Bitte wurde erhört und am 5. Januar 1846 kam Mirjam auf die Welt. Sie wurde zehn Tage darauf in der Georgskirche von Abellin getauft und gleich gefirmt, wie der orientalische Ritus es vorsah.

Die kleine Mirjam bekam zur Freude der Eltern zwei Jahre später einen Bruder mit Namen Boulos, Paulus. Doch diese kleine Familie hatte nur drei Jahre Bestand, denn im Abstand von nur wenigen Tagen starben die Eltern. Der todkranke Georg wandte sich zu einem Bildnis des Hl. Josef und zu Mirjam und anvertraute sie dem Heiligen und der hl. Jungfrau Maria. Die Waisenkinder kamen zu unterschiedliche Pflegefamilien, Boulos wurde in Tar-Schiba bei einer Tante mütterlicherseits untergebracht, Mirjam blieb bei einem Onkel in Abellin, der sie wie eine eigene Tochter behandelte. Mirjam wurde verwöhnt und war glücklich, ihre leiblichen Eltern konnte sie aber nicht vergessen. Deshalb dachte sie oft ans Sterben, um sie wieder sehen zu können.

Mirjam bekam einmal einen Käfig mit einigen Vögeln geschenkt. Sie erfreute sich an ihnen und wollte sie im kindlichen Eifer baden, worauf sie starben. In großer Trauer begrub Mirjam die Vögel, da vernahm sie plötzlich und klar eine innere Stimme mit den Worten: „So vergeht alles. Wenn du mir dein Herz geben willst, werde ich stets dein Eigen bleiben!“ Das Mädchen vergaß diese Worte nie mehr. Mirjam war fromm, wie ihre Eltern. Sie zog sich gerne in die Stille zum Gebet zurück. Dabei wuchs ihre Liebe zur Gottesmutter und sie konnte stundenlang vor einem Bildnis der Gottesmutter ausharren.

Mirjam’s Familie ließ sich 1854 in Alexandria/Ägypten nieder. Das Mädchen hatte noch lange Zeit Heimweh nach dem blumenreichen Galiläa im Frühling. Mit zwölf Jahren durfte sie die Eucharistie empfangen, ein Jahr später teilte man ihr mit, dass nun die Zeit gekommen sei zu heiraten. Sie erhielt einen Verlobungsring, wurde nach orientalischem Brauch mit Edelsteinen geschmückt und man bekleidete sie mit prächtigen Kleidern. Ohne es zu wissen, war Mirjam schon seit mehreren Jahren dem Bruder ihrer Tante versprochen, der in Kairo lebte. Doch mit ihren 13 Jahren hatte Mirjam bereits einen festen Willen, so dass sie acht Tage vor der geplanten Hochzeit entschieden erklärte, dass sie niemals heiraten wollte und Jungfrau bleiben. Aus diesem Grund schnitt sie sich gleich ihr langes Haar ab und legte die prächtigen Edelsteine und Kleider beiseite. Als die Hochzeitsgäste am Festtag die Braut sehen wollten, warteten sie vergebens, denn sie kam nicht. Mirjam’s Onkel beschimpfte und schlug sie, aber beides konnte bei ihr nichts ausrichten. So bestimmte der Onkel, dass das Mädchen aus Strafe von nun an in seinem Haus wie eine Sklavin behandelt werden soll. Auch der Beichtvater von Mirjam hatte für ihr Verhalten kein Verständnis, weigerte sich ihr die Beichte abzunehmen und die Kommunion zu reichen. Das Mädchen blieb aber hart, drei Monate lang.

Der Onkel blieb ebenso unerbittlich und Mirjam dachte an ihren Bruder Boulos, dem sie in Palästina mittels eines ehemaligen muslimischen Dieners ihres Onkels einen Brief zukommen lassen wollte. In der muslimischen Familie wurde sie freundlich aufgenommen und bewirtet. Dabei versuchte man sie zu überreden zum Islam überzutreten. Doch Mirjam entgegnete: „Ich eine Muslima, nein, niemals! Ich will in meinem Glauben bis zum Tod verharren!“ Der fanatische Muslim stürzte sich sodann in rasender Wut auf das Mädchen, warf es zu Boden, nahm seinen Krummsäbel und schnitt ihr die Kehle durch. Er glaubte, sie sei tot und hüllte sie in einen großen Mantel, um sie in eine dunkle Gasse von Alexandria zu werfen. Dies geschah am 7. September 1858.

Es war ein großes Wunder, dass Mirjam überlebte. Die große Narbe an ihrem Hals zeugte zeitlebens davon. Mehrere Ärzte bezeugten, dass mit einer solch vernarbten Kehle niemals ein Mensch überleben könnte, es fehlten nämlich mehrere Gliedstücke der Luftröhre. Mirjam erzählte später von einem Nah-Tod-Erlebnis bei diesem schrecklichen Vorfall. Darin sah sie sich im Himmel vor dem Dreifaltigen Gott, Maria und den Heiligen. Auch ihre Eltern waren darunter und eine Stimme sprach zu ihr: „Du bist Jungfrau, es ist wahr, aber dein Buch ist noch nicht vollendet“. Nun verschwand diese Himmelserscheinung und sie gelangte in einen Raum, der einer Höhle gleich war. Darin wurde sie von einer schönen und liebevollen Krankenschwester mit blauem Schleier gepflegt. Sie war einer Ordensfrau ähnlich und benetzte Mirjam’s Lippen mit einem Schwamm und erlaubte ihr fast immer zu schlafen. Mirjam gesundete und die geheimnisvolle Krankenschwester warnte sie vor dem Bösen und mahnte sie den Nächsten zu lieben. Sie prophezeite auch, dass Mirjam ihre Familie nie wiedersehen wird und sie nach Frankreich geht, um dort Ordensfrau zu werden. Zuvor ist sie ein Kind des Hl. Josef, bis sie dann eine Tochter der Hl. Theresia wird. Das erste Haus gibt das Ordensgewand, das zweite die Profess und im dritten kommt der Tod in Betlehem.

Die Halswunde heilte allmählich. Mirjam wurde von der Krankenschwester mit dem blauen Schleier in die Franziskanerkirche St. Katharina in Alexandria geführt, wo sie einen Pater traf. Nach der Beichte war die Krankenschwester plötzlich verschwunden und wurde trotz intensiver Suche nicht mehr gefunden. Mirjam glaubte fest daran, dass diese Krankenschwester die Gottesmutter Maria selbst war. Deshalb ehrte sie das Fest Maria Geburt ganz besonders, in Erinnerung an jenen Tag im Jahr 1858.

Nach ihrer Genesung verdingte sich die kleine Araberin als Dienstmagd. Während diesen sieben Jahren arbeitete sie in verschiedenen Familien an unterschiedlichen Orten. Dann kam sie von Alexandrien nach Jerusalem zurück, von dort gelangte sie nach Beirut und schließlich nach Marseille in Frankreich. In all dieser Zeit war Mirjam arm und sie liebte diese Armut. So war sie einmal bei einer reichen Frau in Alexandria angestellt, hörte aber von einer Familie, die in Not geraten ist und bat deshalb um Entlassung. Die reiche Hausherrin protestierte dagegen, doch Mirjam ließ sich nicht beirren und musste mit Schlägen das Haus verlassen. Sofort ging sie in diesen verarmten und verwahrlosten Haushalt und kümmerte sich um die Familie. Für diese hatte sie immer Worte des Trostes und verbreitete viel Freude. Auch bettelte sie für diese Familie und verkaufte selbst ihr zweites Kleid, um ihnen zu helfen.

Mirjam pilgerte anschließend ins Hl. Land und reiste per Schiff von Jaffa nach Haifa. Dabei hoffte sie ihren Bruder Boulos zu treffen, doch eine unruhige See erlaubte es nicht am Berg Karmel anzulegen. So kam sie nach Beirut und trat in den Dienst von Frau M. Atalla, die sie gut behandelte. Nach zehn Monaten entschloss sich Mirjam wieder weiterzuziehen und ihr wurde eine Arbeit bei einer syrischen Familie angeboten, die in Marseille wohnte. Im Mai 1863 traf sie, die nun Achtzehnjährige, deshalb in Frankreich ein. Dort blieb sie bei der Familie Nadschar zwei Jahre, bevor in ihr der Ruf immer stärker wurde, sich ganz dem Herrn zu schenken.

So trat Mirjam im Frühjahr 1865 in das Mutterhaus der Josefsschwestern ein. Es lag in Caplette, unweit von Marseille. Sie traf dort auf mehrere arabische Postulantinnen, welche von Syrien hierher geschickt wurden. Die Gründerin der Josefsschwestern war erst vor zehn Jahren gestorben und dennoch hatte die kleine Kongregation bereits mehrere Niederlassungen im Nahen Osten, unter anderem beim Heiligtum von der Bundeslade in Kirjat-Jearim bei Abu-Gosh. Dort stand die Bundeslade bei Abinadab, bevor König David sie nach Jerusalem holte (2Sam 6:1-3).

In Caplette gewöhnte sich Mirjam schnell an das klösterliche Leben. Gerade ihr ungelenkes Französisch war oftmals Grund zum Lachen in der Klostergemeinschaft. So war Mirjam aus ihrer arabischen Muttersprache das Sie und Du für verschiedene Personen unbekannt, weshalb sie manchmal vergaß ihre Mutter Priorin oder gar den Diözesanbischof zu siezen. Dies wurde ihr allerdings nicht übel genommen, war ihr kindliches Wesen doch eine Freude für alle.

Eine Besonderheit der kleinen Araberin waren ihre Ekstasen. Sie traten plötzlich auf und konnten nicht verhindert werden. Sie fühlte sich wie von einem Strom weggerissen und einem „sonderbaren Schlaf“ überwältigt. Diesen wollte sie manchmal mit kaltem Wasser aus einem Brunnen überwinden, es gelang ihr aber nicht. Als die Postulantin einmal vor dem Allerheiligsten kniete, geriet sie ebenso in Ekstase und erblickte Jesus mit seiner geöffneten Seite. Auch sein Haupt und die Hände und Füße bluteten. Da warf sie sich dem Herrn hin und rief aus: „Mein Heiland, gib mir, wenn es dir gefällt, all diese Leiden, aber habe Erbarmen mit den Sündern!“ Daraufhin fühlte sie einen starken Brustschmerz und seither blutete jeden Freitag ihre Seite. Nach sieben Monaten erhielt sie auch die Wundmale des Herrn an Händen und Füßen, die nach einiger Zeit wieder verschwanden, aber später wieder kamen.

Bei den Josefsschwestern absolvierte Mirjam ihre zweijährige Probezeit. Aufgrund ihrer mystischen Erlebnisse wurde sie aber entlassen. Die Oberin in Caplette schrieb an die Karmelitinnen von Pau in der Nähe von Lourdes eine Empfehlung, in der sie die mystisch begabte Schwester besser im Karmel aufgehoben sieht. Am 15. Juni 1869 trat Mirjam dann über die Schwelle des Karmeliterinnenklosters und wurde von einer großen Freude erfasst. Deshalb küsste sie nach orientalischer Art allen Schwestern die Hände. Ihr neuer Ordensnamen lautete „Mirjam von Jesus dem Gekreuzigten“.

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