Spurensuche: Konstantinische Bauwerke im Hl. Land

Betlehem – Die Geburtskirche
Die Geburtskirche in Betlehem wurde zwar von Kaiser Konstantin geplant, als Miterbauerinnen werden jedoch zwei Frauen genannt: Helena, die Mutter des Kaisers, und Eutropia, seine Schwiegermutter. Eusebius berichtet über die Innenausstattung der Kirche nur, dass sie mit reichen Weihegeschenken und kostbarem Schmuck versehen war.
Heute zeigt sich die Geburtskirche nicht mehr in jener Gestalt, die ihr Konstantin und Helena durch ihre Architekten gaben. Kaiser Justinian (500-550) unterzog sie bedeutenden Veränderungen. Archäologische Untersuchungen lassen jedoch den ehemaligen konstantinischen Plan erahnen. So entdeckt man bei einem Besuch der Grabeskirche noch die Mosaike der konstantinischen Fußböden.

Die Eleona-Kirche am Ölberg
Das griechische Wort für „Olivenhain“, „Ölberg“, „Ölgarten“ bedeutet in der lateinischen Form „Eleona“. Diese „Ölbergkirche“ lag tatsächlich auf dem Ölberg bei Jerusalem und Eusebius schreibt deren Bau dem Verdienst der Kaisermutter Helena zu. Heute findet man das Bauwerk nicht mehr am Ölberg. Es ging, wie viele andere Kirchen im Hl. Land, beim Persereinfall 614 zu Grunde und wurde nie wieder aufgebaut.

Das Kloster der französischen Karmelitinnen steht heute am Platz der ehemaligen Eleona-Kirche. Dort befindet sich auch der Kreuzgang mit den vielen Steintafeln, welche mit dem „Vater unser“ in verschiedenen Sprachen beschriftet sind. Ausgrabungen im Jahr 1910 brachten Grundmauern der konstantinischen Kirche zu Tage und eine Höhle, über die sie errichtet wurde. Dabei handelte es sich um eine dreischiffige Basilika mit 70 Metern Länge. Eusebius deutet den Grund für dieses Bauwerk an, wenn er schreibt, dass die Höhle der Ort war, wo „der Erlöser des Universums in der Grotte selbst seine Anhänger in die geheimen Mysterien eingeweiht habe“. Es handelte sich also um eine heilige Höhle, in der christliche Mysterien vermittelt wurden.

Über die Art dieser Mysterien wird bereits in vorkonstantinischer Zeit berichtet. Am Ölberg existierte neben der Grotte in Getsemani eine weitere, verehrte Grotte, in der Jesus den Jüngern das Ende der Welt und den Untergang des Tempels in Jerusalem voraussagte. Die Grotte ist also jener Ort, der im 24. Kapitel des Matthäusevangeliums und im 13. Kapitel des Markusevangeliums Schauplatz der Endzeitrede des Herrn war. Auch die letzte Belehrung seiner Jünger vor der Himmelfahrt (Apg 1:7f.) soll hier stattgefunden haben. Die vorkonstantinischen Berichte bestätigen also die Hinweise des Eusebius über die Heiligkeit dieser Grotte am Ölberg.

Aus alten Zeugnissen kann man nicht ableiten, dass diese Grotte auch der Ort war, wo Jesus den Jüngern das „Vater unser“ lehrte. Die absinkende Bedeutung der Eleona-Kirche und letztendlich ihr verschwinden liegt wohl daran, dass in der späteren christlichen Tradition das Mysterium der Belehrung der Jünger durch Jesus über die Endzeit nicht mehr im Mittelpunkt der Lehre stand. Der Verlust der Anziehungskraft und Lebendigkeit dieser Lehre verursachte das Vergessen der Tradition, die in dieser Grotte begann.

Die Himmelfahrtskirche am Ölberg ist kein konstantinischer Bau. Ihre Ursprünge gehen auf die fromme Römerin Poimenia zurück, die dort 376 einen oktogonalen Bau errichten ließ. Dieser wurde 614 von den Persern zerstört, bald wieder aufgebaut und 1009 vom fatimidischen Sultan Al-Hakim erneut zerstört. Die Kreuzfahrer errichteten dann einen Neubau, der einen besonderen Schatz barg, den „Fußabdruck“ Jesu. 1187 wurde dieser Bau in eine Moschee umgewandelt und die Muslimen verwalten ihn bis heute, ohne aber Gebetsraum zu sein. So haben Christen einen ungehinderten Zugang zum Heiligtum und an Christi Himmelfahrt feiert der Kustos der Franziskaner dort eine heilige Messe. Über die Grabeskirche in Jerusalem werde ich zu einem späteren Zeitpunkt berichten.

Die Basilika von Mamre
Diese konstantinische Basilika ist nurmehr in ihren Grundmauern erhalten. Sie wurde ebenso durch den Persereinfall 614 zerstört und nicht mehr aufgebaut. Ein anonymer Pilger aus Bordeaux erwähnt sie 333 in seinem Reisebericht. Die sogenannte Mandabakarte kennzeichnet die Basilika mit dem Symbol eines Baumes, in Erinnerung an die Eiche Abrahams. Mamre galt nämlich als jener Ort, an dem Abraham Gott in Gestalt von drei Männern erschienen ist. Von ihnen erhielt er die Verheißung unzähliger Nachkommen. Die Hl. Schrift identifiziert den Ort als bevorzugten Aufenthaltsort Abrahams in Kanaan, an dem eine Eiche wuchs. Christen sehen diese Gotteserscheinung durch drei Männer (Gen 18:1f.) als Hinweis auf die Dreifaltigkeit. Christus offenbarte sich hier als göttlicher Logos.

Eusebius berichtet über die Umstände des Baus der Basilika. So war es Eutropia, eine fromme Christin wie Helena, die bei einem Besuch in Mamre empört über die dort gemachten Erlebnisse war, denn es blühten verschiedene heidnische Kulte. Schon Kaiser Hadrian hatte über dem jüdischen Heiligtum ein dem Dionysos geweihtes Heiligtum errichtet und bei archäologischen Ausgrabungen fand man tatsächlich eine Figur des Dionysos. Eutropia richtete sofort aufgrund ihrer Erfahrungen einen Beschwerdebrief an den kaiserlichen Schwiegersohn mit der Bitte, dass die heidnischen Kulte abgeschafft werden. Daraufhin sandte Konstantin den Bischöfen in Palästina ein Schreiben voller Tadel, weil sie die heidnischen Kulte an dem heiligen Ort nicht selbst entdeckt haben. Er trägt ihnen deshalb auf, dort eine prachtvolle Basilika zu errichten. Zudem drohte er, trotz Mailänder Edikt der Religionsfreiheit, denen mit Strafe, die in Mamre weiterhin ihre heidnischen Kulte durchführten.

Dieser Befehl wurde umgehend ausgeführt. Im Jahr 333 kann jener anonyme Pilger aus Bordeaux in seinem Reisebericht schon vermerken, dass die um 330 begonnene Basilika „von wunderbarer Schönheit“ war. Die Strafandrohung Konstantins scheint allerdings nicht gewirkt zu haben: Mamre blieb samt christlicher Basilika ein Simultanheiligtum für Juden, Christen und Heiden. Letztere verehrten hier die Erscheinung von Engeln, wie der Kirchenschriftsteller Sozomenos bezeugt. Auch Hieronymus, der in Jerusalem weilte, ärgerte sich über das multireligiöse Treiben im Mamre, zu dem auch Markt- und Geschäftsbetrieb gehörte.

der emmauspilger
S.D.G.

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