Steckbrief: Dionysius Areopagita – Kirchenvater der Mystik

Der Hl. Paulus bekehrt in Athen Dionysius, einen Beisitzer des Areopags (Apg 17:34), dem Tagungsort des Hohen Rats. Laut Eusebius von Cäsarea wurde Dionysius später der erste Bischof von Athen (Hist. Eccl. 3,4). Im frühen 6. Jahrhundert benützt ein unbekannter christlicher Autor das Pseudonym Dionysius Areopagita. Er deutet den Neuplatonismus christlich um, lehnt sich dabei an die Werke von Proklos an und prägt mit seinem Gottesbild die christliche Mystik der nachfolgenden Jahrhunderte.

Für Dionysius ist Gott der „ganz jenseitige“, jenseits aller menschlichen Erkennbarkeit. Als der Eine und Vollkommene ist Gott jenseits allen Seins, das niemals erreicht wird. Gott selbst ist der Gute, der Seiende und ewig lebende, den man nicht endgültig erfassen kann, obwohl er Ursache, Anfang und Leben alles Seins ist. Eine Gotteserkenntnis kann nur durch Analogien geschehen, welche die Ursache von allem, jedoch nicht das Wesen dahinter erfasst. Man kann Attribute erkennen, was Gott nicht ist: beispielsweise endlich, in Raum und Zeit. Diese theologia negativa ist nur ein Versuch das Unsagbare auszusprechen. Was Gott ist (theologia positiva), kann nur von der biblischen Offenbarung Gottes ausgehen. So ist Gott größer als alles menschliche Bemühen.

Gott lässt sich jedoch vom Menschen mystisch erfahren. Dies geschieht ohne Augen, schweigsam, ohne Laut und Wort in der Ekstase, um mit Gott eins zu werden. Ein Vergleich zur Liebe bietet sich an: Man kann sie als süß bezeichnen, sie wohnt im Herzen, doch man kann sie nicht endgültig beschreiben und sehen. Gott und die Liebe sollen nicht zerredet werden. Seine Allwissenheit, Allmacht, Ewigkeit ist zwar wahr, aber in Gott ungleich gering. Die Sprache, Vernunft und der Verstand erfassen Gott niemals vollständig. So geschieht die Erfahrung Gottes stets ohne Bild, ohne Begriff, ohne Worte. Der Mensch muss sich von seinen Gottesvorstellungen trennen, seinem Verstand nicht mehr hinterherlaufen. In der Ekstase der Seele, ihrer Entleerung alles sinnlichen und gedanklichen, kann es ihr gelingen aus sich heraus in Gott zu sein.

Die Mystik bedeutet für Dionysius sich für Gott zu öffnen, damit der Unendliche in die Endlichkeit kommt. Denn das Geschaffene sehnt sich zum Ursprung zurück, es ist eine Sehnsucht zur Ewigkeit. So zieht der Unendliche das Endliche auch in die Unendlichkeit zurück. Diesen Aufstieg zur Erkenntnis jenseits des normal erkennbaren, geschieht laut Dionysius in vier Schritten:

1. Durch Verzicht und Askese wird man frei für Gott, die Öffnung beginnt.
2. Die Seele bedarf der Reinigung von Schuld und allem Bösen.
3. Man bittet Gott um Erleuchtung.
4. Gott vollendet die Vereinigung durch Heiligkeit.

Dionysius betont aber, dass dies keine Selbsterlösung sein kann, denn nur Gott führt diesen Aufstieg durch. Der Mensch wirkt mit durch seinen Glauben an Jesus Christus und durch sein Gebet, alles weitere ist der Gnade Gottes anheim gestellt. Für Dionysius ist die Mystik eine Stärkung der Sehnsucht nach Gott durch geschenkte Freude und seinem Licht.

der emmauspilger
S.D.G

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