Herr, mach mich zum erfolgreichen Versager

Unser Herr Jesus Christus spricht in der Offenbarung zum letzten Mal in der Hl. Schrift zu uns, zu mir. Er diktiert 7 Briefe an 7 Gemeinden, lobt sie, spricht dann jedoch sein „aber“. Außer bei 2 Gemeinden: Es sind Smyrna und Philadelphia. Ich frage mich, was zeichnet diese Gemeinden vor den anderen aus? Ich lese in Offb 2:8-9a, dort spricht der Herr: „Dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: So spricht der Erste und der Letzte, der tot war und lebendig wurde: Ich weiß um deine Drangsal und deine Armut – doch du bist reich“. Und weiter spricht der Herr in Offb 3:7-8: „Dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: So spricht der Heilige, der Wahrhafte, der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, und niemand schließt, der schließt, und niemand öffnet: Ich weiß um deine Werke. Siehe, ich gab dir eine Tür, die offen steht, die niemand zu schließen vermag; denn hast du auch nur geringe Kraft, du bewahrtest mein Wort und verleugnetest nicht meinen Namen“.

Die beiden Gemeinden waren in Bedrängnis, in Armut und hatten geringe Kraft. Erkenne ich nicht auch mich darin? Die Welt bedrängt mich mit ihren Götzen und Genüssen, spricht mir schmeichelnde Worte zu, lässt mich immer wieder fallen und arm werden vor Gott, weil meine Kraft zu widerstehen so gering ist. Wie oft ist mir danach mich zu verstecken vor Gott, wie einst Adam im Paradies?

In den 7 Briefen beginnt Jesus immer mit den Worten: „Ich kenne Dich, ich kenne Deine Werke“. Ja, der Herr kennt mich, besser als ich mich je kennen werde und so stellt sich mir die Frage: „Und trotzdem kann er mich lieben? Ich, der immer falle, der sich vor ihm voll Scham versteckt. Bin ich nicht völlig unbrauchbar für ihn?“

Gleichzeitig findet man in der Hl. Schrift keinen Vers, der besagt, dass man erst einen gewissen geistigen, frommen Standard erreichen muss, damit Gott jemanden liebt und gebraucht für seine Sache. Im Gegenteil: Gott beruft niemals die Fähigen, sondern befähigt die Berufenen. Er machte etwa aus dem Lügner und Betrüger Jakob den Stammvater seines Gottesvolks. Als der Pharao Jakob über sein Leben befragte, konnte er nur antworten: „Gering an Zahl und unglücklich waren meine Lebensjahre“ (Gen 47:8). Viele Christen und ich würden auch heute so antworten, vieles an Gutem versäumten wir und vieles an Bösem machte uns unglücklich. Oder Moses, der Mörder, er wurde später von Gott zum Führer seines Gottesvolkes aus der Gefangenschaft berufen. Es gibt noch viele Beispiele in der Hl. Schrift, in denen Gott aus Versager erfolgreiche Menschen formt.

All diese Menschen zeichnete aber eines aus: Sie wussten um ihre Abhängigkeit von Gott. Auch die Gemeinde in Philadelphia hatte diese Auszeichnung, die der Herr ihnen verlieh: „Du bewahrtest mein Wort und verleugnetest nicht meinen Namen“. Diese Abhängigkeit muss Lebensprogramm für jeden Christen sein. Aber aus jedem Menschen muss ebenso zuerst ein Christ wiedergeboren werden, damit er lebendig wird. Adam und Eva erreichten mit ihrem Sündenfall für sich und uns nur den Tod, den geistigen Tod. Die innige, intime Beziehung zum Schöpfergott starb mit ihrem Misstrauen und Ungehorsam gegenüber Gott. Damit ich in meiner Sünde wieder eine intime Beziehung zu Gott aufbauen kann, muss ich also wieder lebendig werden.

Davon spricht der Herr in Joh 3:3 zu Nikodemus: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn einer nicht geboren wird von oben, kann er das Reich Gottes nicht schauen“. Die Geburt von oben geschieht durch den Hl. Geist. Selbst kann ich dies nicht, ich muss es nur wollen. Dann geschieht es, dass man lebendig wird und wieder mit Gott Gemeinschaft haben kann, so wie der Hl. Paulus es den Ephesern (Eph 2:1) nach ihrem Ja zur Geburt von oben schreibt: „Ihr wart tot infolge eurer Verfehlungen und Sünden“ und weiter (Eph 2:12): „dass ihr zu jener Zeit fern wart von Christus, ausgeschlossen von der Bürgerschaft Israels, Fremdlinge für die Bündnisse der Verheißung, ohne Hoffnung und ohne Gott in der Welt“.

Doch nun sind wir wieder mit Gott in der Welt, wie (Jak 1:18) besagt: „Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien“. Gott hat uns durch Jesus Christus, das Wort der Wahrheit, wiedergeboren. Die Wahrheit ist, wenn Wort und Tat eins werden, so wie der Schöpfergott spricht: „Es werde Licht und es wurde Licht“ (Gen 1:3). Ich kann also auf dieses Wort der Wahrheit, Jesus Christus, unbedingt vertrauen, durch ihn und in ihm werde ich wiedergeboren zur Gemeinschaft mit Gott, es ist ein erneuter Schöpfungsakt, so wahr es auch das Licht in der Welt gibt. Der Hl. Paulus bestätigt mir dies in seinem 2. Brief an die Korinther (5:17): „Ist also einer in Christus, ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, ein Neues ist geworden“. Der sündige Mensch ist immer noch da, aber das neue Leben soll nun das alte Leben dirigieren, bestimmen, wie es in Rö 12:2 heißt: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“

Das Hören auf Gott, um das Denken zu erneuern, das ist es, was mich zu einem wiedergeborenen Christen macht, zu einem lebendigen Menschen. Damit fällt auch die Last ab, es selber tun zu müssen. Gottes Liebe hat mich berufen, ich bin kein von der Schuld getriebener mehr. Wer sein eigenes Leben behalten will, wird es verlieren, wer gibt, der wird empfangen. Dieser Prozess des Umdenkens beginnt in jedem Augenblick von Neuem, wenn etwa die Probleme der Welt wieder den alten Menschen hervorholen. Anstatt im Gebet eine lebendige Beziehung zum lebendigen Herrn aufrecht zu erhalten, will man das Problem selbst lösen, ohne Christus. Und dies, obwohl der Herr uns auffordert in Mühsal und unter der Lebenslast zu ihm zu kommen, damit er uns Ruhe verschaffen kann. Christ sein ist wie ein Kompass, dessen Nadel nicht nach Norden, sondern immer auf Christus gerichtet ist. Mögen äußere Einflüsse diese Nadel manchmal stören, so richtet sie sich doch wieder auf Christus aus.

Jesus Christus lebt in uns, in mir, nicht allein an Wallfahrtsorten oder in Besinnungswochenenden, wobei ich beide nicht schmälern will. Aus der Kommunikation, dem Gebet, wird die Kommunion, die Gemeinschaft, welche die Union, die Einheit mit dem Herrn bewirkt, besonders in der Eucharistie. Dann werden diese Verse von Paulus in der Hl. Schrift Wahrheit: „So lebe nun nicht mehr ich, es lebt in mir Christus“ (Gal 2:20) oder: „Darauf warte und hoffe ich, dass ich in keiner Hinsicht beschämt werde, dass vielmehr Christus in aller Öffentlichkeit – wie immer, so auch jetzt – durch meinen Leib verherrlicht wird, ob ich lebe oder sterbe“ (Phil 1:20). Ich erkenne darin den Unterschied vom alten zum neuen Bund: Dort führt Gott an der Hand, hier wohnt er in mir. Ich teile seine Gefühle und Gedanken, wenn ich auf ihn höre. Aus einem Du und ich wird ein wir und uns. Deshalb gibt Gott uns die Ehe als Vorbild, auch Mann und Frau werden zu einem wir und uns, zu einem Fleisch.
Mit dem Sakrament der Hl. Eucharistie zeigt uns und mir der Herr auf eindrückliche Weise, was er darunter versteht. Indem er wahrhaftig zu Fleisch und Blut wird, können wir ihn in uns aufnehmen und so mit uns Fleisch und Blut werden. So wird Jesu Wort aus Joh 6:53 Wahrheit: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr nicht Leben in euch“. Auch das Geheimnis unter den Heidenvölkern aus Kol 1:27 erschließt sich so in wunderbarer Weise: „Ihnen wollte Gott zu wissen tun, was es um den herrlichen Reichtum dieses Geheimnisses ist unter den Heidenvölkern: das ist Christus in euch, die Hoffnung auf die Herrlichkeit“.

Wenn mich Gott also gebrauchen will, muss ich nicht vollkommen sein und selbst tun wollen, sondern nur leben wollen. So erfülle ich seine Worte aus Joh 15:4: „Bleibt in mir, und ich bleibe in euch. Wie die Rebe nicht aus sich selbst Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt“. Deshalb, o Herr, will ich mich nicht ständig wegen meiner Unfähigkeit entschuldigen, wenn Du mich verwenden willst, sondern ich will hören, damit Du wirksam bist mit Deiner Kraft mit mir.

der emmauspilger

S.D.G.

Hier kannst du kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.